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Was einen erfolgreichen ETF-Investor ausmacht

ETF (Exchange Traded Funds) sind in aller Munde: Mit ihnen lassen sich breit diversifizierte Portfolios auch für Kleinanleger kostengünstig erstellen. Es gibt zunehmend mehr Verfechter dieser passiven Anlagestrategien mit ETF.

Ein wichtiger Grund: Immer wieder belegen Studien, dass 80% der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex nach Kosten nicht schlagen. ETF wollen keinen Vergleichsindex schlagen, sondern ihm bei so geringen Kosten wie möglich nahekommen.

Privatanleger, die sich mit ETF beschäftigen, durchlaufen in der Regel mehrere Phasen:

  1. Nach einigen Wochen oder Monaten Einarbeitungszeit wächst das Vertrauen in das "passive Anlegen" und der Anleger erstellt sich eine eigene Anlagestrategie (wie das gehen kann, sehen Sie hier). Dazu befasst er sich mit unterschiedlichen Anlageklassen, überlegt, wieviel Risiko er eingehen möchte und kann, und welches Gewicht die Anlageklassen in seinem Portfolio haben sollen. Schließlich sucht er sich für jede Anlageklasse einen aus seiner Sicht relevanten Index aus. Zum Schluss muß er noch aus dem Angebot von über 1.100 in Deutschland an der Börse Xetra gehandelten ETF die richtigen für seine Strategie aussuchen. Ist das getan, dann kann investiert werden: Die ETF werden ins Online-Depot gelegt. Es gibt keine Ausgabeaufschläge.
  2. Der Anleger muß nun Geduld beweisen. Für die wäre er in den letzten Jahren mit einer Rendite von 4% bis 10% pro Jahr belohnt worden. Enthusiasmus kommt auf: Man hat seine Anlage selbst in die Hand genommen und Erfolg gehabt! Herr über seine eigenen Finanzen! Die Zahlen geben einem recht: Man scheint das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Erzählt man Bekannten davon, erntet man eine Mischung aus Anerkennung (Der kennt sich aber aus!) und Misstrauen (Das traue ich mich aber nicht!).
  3. Irgendwann (und wenn man Pech hat früher als später) kommt dann der Tag, an dem die Märkte signifikant nachgeben. So zuletzt geschehen in 2008 und 2009. Bis dahin läuft es für den erfolgreichen und erfolglosen Investor gleich. Beide wissen: Als passiver Anleger muß ich einen langen Atem haben. Jetzt heißt es Nerven bewahren.

Und genau hier verhalten sich die erfolgreichen und die erfolglosen ETF-Investoren anders. Beide haben genau die gleiche Ausgangslage und den gleichen Plan. Bevor das passiert, was gleich passieren wird, kann ich keinem ETF-Investor ansehen, ob er erfolgreich sein wird. Ich habe zu viele vernunftgesteuerte Menschen gesehen, die dann doch die Nerven verloren haben. Genauso habe ich impulsive Menschen gesehen, die erstaunlich gut mit Ihren Gefühlen umgehen konnten.

Das passiert:

Der erfolglose ETF-Investor wird jetzt die Nerven verlieren und aussteigen. Er macht damit leicht einen Verlust von 30%, vielleicht sogar 50% seiner Einlage. Warum steigt er aus? Einfach um die verbleibende Hälfte seines ehemaligen Vermögens zu sichern. Die Angst ist größer als die Zuversicht, dass alles schon werden wird. Und natürlich passiert dann genau das, was passieren muß: Er nimmt an der irgendwann folgenden Markterholung nicht Teil. Im schlimmsten Fall ist er so verunsichert, dass das Geld die nächsten Jahre einfach auf dem Sparbuch liegen bleibt.

Der erfolgreiche ETF-Investor bleibt dabei. Er legt seine Angst beiseite. Allerdings braucht er eine sehr ausgeprägte Geduld: Es kann 5 bis 8 Jahre dauern, bis sich sein Investment erholt hat. Dann wird er noch weitere 5 Jahre brauchen, bis er eine vorzeigbare Rendite aufweisen kann. In dieser Zeit spricht er besser nicht mit seinen Bekannten, die plötzlich schon immer wußten, dass man an der Börse nur verlieren kann. Aber: So bleibt der Investor langfristig erfolgreich.

Es gibt eine weitere Klasse von ETF-Investoren: Der ETF-Profi fährt möglicherweise noch besser. Er passt sein Portfolio an die Marktsituation an. Das setzt voraus, dass er ein klares System hat, mit dem er z.B. Aktienanteile in seinem ETF-Portfolio erhöhen und senken kann: In Zeiten rückläufiger Märkte ist er eher in Anleihen oder in den Geldmarkt interessiert. In Zeiten gut laufender Märkte eher in Aktien. Damit kann der ETF-Profi seinen zwischenzeitlichen Verlust von 50% auf möglicherweise 10% reduzieren. Statt 8 Jahre zur Erholung seines Investments muss er nur 3 Jahre warten.

Jeder, der in ETF investieren möchte, sollte sich bewußt sein, dass jeder ETF-Investor sich zu Beginn vornimmt, zu den erfolgreichen Investoren zu gehören. Jeder einzelne der erfolglosen Investoren, die ich erlebt habe, hat vorher gemeint, dass er Marktschwankungen aushalten werde. Sie waren dann halt doch stärker und länger als erwartet. Also: Werden Sie zu den erfolgreichen ETF-Investoren gehören?

Wer unsicher ist, der sollte zum ETF-Profi gehen.

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