Nach der Marktkorrektur im Februar 2018 ...
Zeit einmal nachzudenken

Nervosität ging in den Finanzmedien um: Am Freitag, den 5. Februar 2018 rutschten plötzlich erst die amerikanischen Aktienmärkte, am darauffolgenden Montag dann auch die europäischen Märkte.

Nun, nur zwei Wochen später haben sich die meisten wieder beruhigt und es ist Zeit, noch einmal ein paar wichtige Regeln für Investoren Revue passieren zu lassen, da der nun schon seit vielen Jahren anhaltende Bullenmarkt leicht zu schlechten Angewohnheiten führt:

Schlechte Angewohnheiten vermeiden

  1. Rendite hinterherrennen
    Gerade bei anhaltend niedrigen Zinsen ist die Gefahr groß, in Anlagen zu investieren, die mehr einbringen. Doch regelmäßig geht eben mit einer höheren Rendite auch ein höheres Risiko einher. Da in den letzten Jahren aber das Risiko nicht so offensichtlich war (jeder hat doch nur gewonnen, oder?), vergißt man es schnell. Die Korrektur Anfang Februar hat uns daran erinnert, dass die Risiken weiter da sind.
  2. Zu wenig diversifizieren
    Warum weltweit in Aktien investieren, wenn doch der DAX gerade so gut läuft? Tatsächlich ist die breite Diversifikation der Anlagen der beste Schutz gegen die – ja tatsächlich vorhandenen – Risiken. Anfang Februar hat zwar der DAX nicht so stark reagiert wie der Dow Jones Index. Wer jedoch auch in Schwellenländern investiert war, der hat die Korrektur nicht so stark abbekommen. Diversifikation ist und bleibt das einizge "kostenlose" Mittel der Risikoverringerung.
  3. Risikomanagement vernachlässigen
    Risikomanagement ist für die meisten sowieso undurchsichtiges mathematisches Werk. Und tatsächlich helfen die Methoden den meisten Investoren nicht besonders, wenn sie ihr Depot betrachten. Brauche ich ein "Stopp-Loss"? Tatsächlich hätte es am 5. Februar nicht viel genützt, da die hiesigen Märkte schon geschlossen hatten, als die Talfahrt in den USA begann. Am nächsten Morgen hätte wahrscheinlich niemand mehr die Papiere zum Stopp-Loss-Limit genommen. Wie aber unterscheidet man als Privatinvestor eine "kurzfristige Korrektur" von einem Schwenk im Markt, bei dem man das Risiko im Depot reduzieren sollte? Ohne klare Entscheidungsregeln ist das m.E. nicht möglich. Ich verlasse mich hier auf Active Indexing.
  4. Trends hinterherlaufen
    Sei es Bitcoin oder eine spezielle Industrie: Es wird an Märkten immer Trends geben. Der langfristige Investor sollte diesen Trends nicht hinterherlaufen. Bitcoin ist von fast $20.000 Mitte Dezember auf etwas über $6.000 am 8. Februar gefallen. Trends trifft es bei Korrekturen oft besonders hart. Wer langfristig denkt, verfolgt im Kern seines Portfolios eine klare Strategie, die unabhängig von Trends sind. Höchstens kleines "Spielgeld" sollte in die oft vermeintlichen Trends investiert werden.
  5. Extrapolation
    Es wird nicht immer so weitergehen, wie die letzten paar Jahre. Es hat immer wieder signifikante Korrekturen gegeben. Wann sie kommen, wissen wir oft nicht. Auch wenn die Aktienmärkte durch Technologie bis hin zum High-Frequency-Trading über die Jahrzehnte nicht mehr zu vergleichen sind, eines hat sich nicht geändert: Die meiste Zeit verbringt man nicht auf Kursspitzen, sondern mit mehr oder minder moderaten Verlusten. Das darf man auch nicht nach fast einem Jahrzehnt guter Börsenentwicklung vergessen.

Für mich heißt das:

  • Die Februar-Korrektur war eine gute Gelegenheit, sich wieder einiger schlechter Angewohnheiten zu entledigen.
  • Langfristig bieten die Börsen weiterhin gute Renditechancen.
  • Kurzfristig gebe ich mein Risikomanagement nicht auf, selbst wenn andere (zugegebenermaßen selten) kurzfristig scheinbar eine bessere Rendite machen.

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